Anfang Februar vor genau zwölf Jahren schalteten viele NFL-Fans entnervt den Fernseher aus. Die zweite Halbzeit vom Super Bowl XLVIII im MetLife Stadium in New Jersey hatte gerade erst begonnen, da schien das Duell zwischen Seattle und Denver bereits vorbei zu sein. Spannung kam nie auf – und freuen konnte sich darüber nur eine Gruppe Menschen.
Anfang Februar vor genau zwölf Jahren schalteten viele Seahawks-Fans ihren Fernseher lauter, rückten näher an den Bildschirm, rieben sich die Augen. Das ist die Geschichte, wie ihr Lieblingsteam den dominantesten Sieg der Super-Bowl-Geschichte feierte.
Die ersten Sekunden geben die Richtung vor
Bei Kickoff konnte das noch niemand ahnen. Zu groß war der Hype um die Offensive der Denver Broncos um Quarterback-Legende Peyton Manning vor dem Finale gewesen. Zu groß waren die Zweifel der Experten, ob Seattles nicht weniger beeindruckende Defense etwas dagegen halten können würde. Spoiler: Sie konnte!
Klar wurde das direkt in den ersten Sekunden. Nach dem Anstoß der Seahawks betraten Manning und seine hochgelobte Offensive das Feld, nur um es bereits nach wenigen Augenblicken wieder zu verlassen.

Der allererste Spielzug der Partie wurde zur Vollkatastrophe. Der Snap, also der Rückwärtspass des Centers zum Quarterback, mit dem ein Play beginnt, ging komplett nach hinten los – buchstäblich. Die Zeitlupe von einem völlig überrumpelten Manning, der den Football an seinem Kopf vorbeifliegen sieht, ist legendär. Der Quarterback wollte noch taktische Anpassungen machen, sein Mitspieler bekam das aber wegen des Lärms der 12s nicht mit. Die Broncos konnten den Ball zwar noch sichern, aber nur auf Kosten eines sogenannten Safetys. Sie wurden in der eigenen Endzone von den Seahawks gestoppt und Seattle kassierte dafür zwei Punkte und erhielt Ballbesitz.
Defense wins championships
Der Ton für das Endspiel war damit vorgegeben. Als die Broncos das nächste Mal in Ballbesitz kamen, lief es nicht sonderlich besser. Manning warf einen Pass zu seinem über die Feldmitte kreuzenden Star-Receiver Demaryius Thomas. In den vergangenen Monaten war das immer der Moment gewesen, in dem Thomas einen Gang hochschaltete und seine Gegenspieler abhängte.
Diesmal aber knallte es.
Kam Chancellor, das Kraftpaket der Seahawks-Passverteidigung, stellte Thomas kurz nach dem Catch und traf ihn mit einem sauberen Hit so sauber, dass der Receiver meterweit nach hinten katapultiert wurde. Spätestens jetzt war klar, das würde ein langer Arbeitstag für die Broncos werden, denn Seattles Defense wollte ihrem Spitznamen Legion of Boom alle Ehre machen.

Wenige Minuten später wurde ein Pass Mannings zunächst von eben jenem Chancellor abgefangen und damit der erste Seahawks-Touchdown des Tages durch Marshawn Lynch eingeleitet.
Und auch der nächste Anlauf der Broncos endete mit einem Pass Mannings in die Hände seiner Gegner. Diesmal hatte Quarterback-Jäger Cliff Avril den Spielmacher beim Wurf so gestört, dass die Flugbahn des Balles in den Händen von Malcolm Smith endete und der spätere Super Bowl MVP sich aufmachte zum 69-Yard-Touchdown.
Zur Halbzeit führte Seattle mit 22:0 und die ganze Footballwelt traute ihren Augen nicht. Aber Denver blieben ja noch 30 Spielminuten, um die Partie zu drehen.
Broncos-Comeback? Nicht heute!
Blöd nur, dass die Broncos zu Beginn der zweiten Hälfte nicht direkt selbst in Ballbesitz kamen. Ihr Kicker Matt Prater wollte seinen Kickoff so platzieren, dass Percy Harvin, der gefährliche Returner der Seahawks, den Ball erst nach einer Bodenberührung aufnehmen konnte und dabei wertvolle Sekunden verlor.
In der Theorie klang das nach einem guten Plan.
In der Praxis hüpfte der Ball so vorteilhaft auf, dass Harvin ihn im Lauf aufnehmen konnte, den Turbo zündete und über 87 Yards durch Freund und Feind hindurch in Richtung Endzone davon raste. 29:0, das Ding war entschieden – ausgerechnet durch Harvin, der die gesamte Saison über mit Verletzungen gekämpft und für Seattle bis dahin nie richtig eingeschlagen hatte.
Für die neutralen Footballfans in der Hoffnung auf ein ausgeglichenes, möglichst lange spannendes Spiel war das der Alptraum und Grund genug, den Fernseher vorzeitig abzuschalten. Für die Seahawks-Fans ging der größte Traum in Erfüllung.
Zwei Receiver machen den Sack zu
Der Rest war ein einziges Schaulaufen, bei dem nun – nach unfassbaren Verteidigungsaktionen der Defense – auch Seattles Offensive noch einmal in den Mittelpunkt rücken durfte.
Mit artistischen Receiving Touchdowns schraubte Seattle den Punktestand weiter nach oben. Zunächst fing Jermaine Kearse einen Pass von Russell Wilson, drehte sich wieselflink gleich zweimal aus Tackles seiner Gegenspieler heraus und marschierte zum Touchdown. Dann fing Doug Baldwin einen Wilson-Pass und tauchte unter seinen Gegnern hinweg in die Endzone.

Wenig später wurden die Feierlichkeiten mit einer Gatorade-Dusche für Cheftrainer Pete Carroll eingeleitet. Der erste Super-Bowl-Sieg der Teamgeschichte war perfekt. Zur Super-Bowl-Parade kamen wenige Tage später trotz eisiger Temperaturen in Seattle rund 700.000 Menschen und machten die Straßen der Stadt zur Partymeile.
Die Seahawks wurden im Beisein ihrer Fans zu Feierbiestern und ihr einzigartiger Running Back Marshawn Lynch auf der Motorhaube eines Paraden-Fahrzeugs mit Schnapsflasche in der Hand zum Feierbeast.











