Die Seahawks empfangen die 49ers Samstagnacht (2 Uhr deutscher Zeit live bei RTL, auf DAZN und beim NFL Game Pass) zu ihrem ersten Playoff-Heimspiel seit fünf Jahren und zum ersten Mal seit neun Jahren mit Fans im Stadion. Außerdem geht Seattle auch erstmals seit 2013 und 2014 wieder als Nummer-eins-Seed in die Postseason. Damals erreichten sie als Topteam der NFC in zwei aufeinanderfolgenden Saisons den Super Bowl.
Doch trotz all dessen, was am Samstagabend auf dem Spiel steht, wissen die Seahawks, dass sie an dem gleichen Prozess festhalten müssen, der ihnen 14 Regular-Season-Siege eingebracht hat, wenn sie in das NFC Championship Game einziehen wollen.
"Wir behandeln es wie einfach eine weitere Woche, ein weiteres Spiel", sagte Quarterback Sam Darnold. "So sieht es jeder, vor allem in unserer Kabine. Wir haben so großartige Typen in der Mannschaft, reife Spieler, Leader in allen Positionsgruppen. Jeder ist einfach bereit, die Woche wie gewohnt anzugehen und sich auf ein wirklich gutes 49ers-Team vorzubereiten, das gerade richtig ins Rollen gekommen ist, und wir freuen uns darauf, gegen sie anzutreten."
Hier sind fünf Dinge, die wichtig werden, wenn die Seahawks in der Nacht auf Sonntag die 49ers im Lumen Field empfangen:
1. Wie elektrisierend wird die Atmosphäre im Stadion sein?
Seahawks-Fans haben fast ein Jahrzehnt darauf gewartet: die Chance, ihr Team bei einem Playoff-Spiel zu Hause anzufeuern. Die Seahawks gewannen zwar 2020 die NFC West und richteten deshalb ein Playoff-Spiel aus, doch dieses wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie in einem leeren Stadion ausgetragen. Das letzte Playoff-Heimspiel mit Fans im Stadion war Seattles Wild-Card-Sieg über die Lions in der Saison 2016. Dieser Erfolg war der zehnte Heimsieg in der K.-o.-Runde in Folge – eine Serie, die in der Super-Bowl-Saison 2005 begann. Das Team dieses Jahres hofft nun, sich den Seahawks-Teams aus der Vergangenheit anzuschließen und den Heimvorteil zu nutzen, um nächsten Monat die größte Bühne des Sports zu erreichen.
Weil das Heimspiel auch noch an einem Samstagabend (Ortszeit) und gegen einen großen Rivalen stattfindet, dürfte das Stadion der Seahawks, Lumen Field, kochen.
"Ich kann es kaum erwarten, die Fans zu sehen", sagte Defensive Tackle Jarran Reed. "Ich kann es kaum erwarten, rauszugehen und einfach die Energie auf dem Feld zu spüren. Wir brauchen unsere 12s. Wir versuchen, das Lautstärke-Messgerät zu zerstören und so laut zu sein, dass es nicht mehr aufzeichnen kann. Wir brauchen den Lärm, damit die Dark Side (neuer Spitzname der Seahawks-Defense) zum Leben erwacht."
2. Können Darnold und die Offense erneut ohne Ballverlust bleiben?
Seahawks-Fans bekamen am Donnerstag einen kurzen Schreck, als Sam Darnold mit einer Rumpfmuskel-Verletzung in den Injury Report aufgenommen und als "fraglich" gelistet wurde. Doch Seattles Quarterback traf sich kurz darauf mit den Medien und machte klar, dass er damit rechnet zu spielen. Wenn Darnold also voraussichtlich in seiner gewohnten Rolle Seattles Offense anführt, stellt sich die Frage, wie er und die Angriffsabteilung in seinem ersten Postseason-Start agieren werden. Mit Ausnahme von Receiver Cooper Kupp ist es für nahezu alle Spieler in der jungen Offensive die erste K.-o.-Runde. Neben Kupp, der mit den Rams einen Super Bowl gewann und in insgesamt neun Playoff-Spielen stand, liefen auch Running Back Kenneth Walker III und die Tackles Charles Cross und Abraham Lucas als Rookies schon in einem Playoff-Spiel auf.

Auch wenn diese Gruppe nicht viel Playoff-Erfahrung hat, hatte Seattles Regular-Season-Finale Anfang Januar in Santa Clara, in dem es um den Division-Titel und das Freilos in der ersten Playoff-Runde ging, ebenfalls Playoff-Charakter. Und die Offense lieferte dabei in vielerlei Hinsicht ab. Obwohl das Scoreboard nur 13 Punkte anzeigte, spiegelt das nicht wider, wie gut die Seahawks den Ball bewegten: 361 Yards insgesamt, darunter 180 am Boden, 23 First Downs und sechs von 13 erfolgreiche Third-Down-Situationen. Wenn nicht zwei verschossene Field Goals und einige verpasste Chancen in der Red Zone gewesen wären, hätte das Endergebnis deutlich klarer ausfallen können.
Am wichtigsten bei diesem Sieg: Die Seahawks produzierten keinen Ballverlust – etwas, das ihnen in der Regular Season nur in drei weiteren Spielen gelang. Bei all den Dingen, die die Seahawks offensiv gut gemacht haben, darunter die drittmeisten Punkte der Liga, hatten sie Probleme mit der Ballkontrolle und begingen 28 Ballverluste, die zweitmeisten in der NFL.
Die Seahawks-Defense war die ganze Saison über stark, und das Laufspiel ist zum Playoff-Start so gut wie zu keinem anderen Zeitpunkt in dieser Saison. Das bedeutet: Auch wenn die Seahawks eine gute Leistung ihres Quarterbacks und des Passspiels brauchen, sind sie ausgewogen genug, um jeden Gegner zu schlagen, ohne dass Darnold eine zu große Last schultern muss. Anders gesagt: Wenn die Seahawks die 49ers nicht mit eigenen Fehlern unterstützen, werden sie unglaublich schwer zu schlagen sein.
3. Wie wiederholt die Seahawks-Defense ihre Dominanz vom 18. Spieltag und welche Anpassungen nehmen die 49ers vor?
Die 49ers kamen mit einer brandheißen Offense in Week 18, nachdem sie in den drei Spielen zuvor im Schnitt 42,3 Punkte, 455,3 Yards und 29,3 First Downs erzielt hatten. Dann trafen sie auf die Seahawks, die San Francisco komplett den Zahn zogen und nur drei Punkte, 173 Yards und neun First Downs zuließen. Das war der niedrigste Yards-Wert für die 49ers in neun Saisons unter Kyle Shanahan und zugleich der niedrigste Punktestand seiner Amtszeit.
Doch auch wenn die Seahawks mit großem Vertrauen in ihre Defense in dieses Spiel gehen, wissen sie, dass sie nicht davon ausgehen können, dass diese Partie nach dem gleichen Drehbuch verläuft.
"Es gab Dinge in unserem Plan, die wir nicht geschafft haben; und ich bin mir sicher, es gab Dinge in ihrem Plan, die sie nicht geschafft haben", sagte Seahawks-Cheftrainer Mike Macdonald. "Die Chance liegt bei etwa 99,999 Prozent, dass dieses Spiel ganz anders abläuft als das letzte, und man muss einen großartigen Job machen, Anpassungen vorzunehmen."
Shanahan, einer der besten Offensiv-Trainer der Liga, wird sicher einige neue Kniffe parat haben, die die Seahawks vor zwei Wochen nicht verteidigen mussten. Zudem wird San Franciscos Left Tackle Trent Williams sein Comeback geben, nachdem er das letzte Duell verletzungsbedingt verpasst hatte. Möglicherweise wird auch Receiver Ricky Pearsall, der die letzten beiden Spiele aussetzen musste, zurückkehren. Allerdings werden die 49ers auf den herausragenden Tight End George Kittle verzichten müssen, der sich in der Wild-Card Round die Achillessehne gerissen hat.
"Ich denke, das macht einen großen Unterschied", sagte Defensive Tackle Leonard Williams über Trent Williams' Rückkehr. "Er ist eine große Präsenz für ihr Team. Er ist einer der Leader ihrer Offense. Ich weiß, er ist im Moment etwas angeschlagen, aber allein seine Präsenz auf dem Feld bringt ihnen viel."
4. Kann das Laufspiel seine heiße Phase fortsetzen?
Die Seahawks gingen in die Saison mit dem klaren Ziel, den Ball effektiv zu laufen, doch über weite Strecken des Jahres hatten sie Probleme, Konstanz in ihr Run Game zu bringen. Sam Darnold, Jaxon Smith-Njigba und der Rest der Pass-Offensive waren so gut, dass die Seahawks die Schwierigkeiten im Laufspiel kompensieren konnten, insbesondere weil Defense und Special Teams ihren Teil beitrugen.
Doch um ihr bestes Niveau zu erreichen, wussten die Seahawks, dass das Laufspiel irgendwann zünden musste – sie glaubten die ganze Saison über an diesen Durchbruch. Und tatsächlich: Die Seahawks beendeten die Regular Season mit ihrem besten Laufspiel des Jahres.
In den letzten drei Regular-Season-Partien erzielten die Seahawks 171, 163 und 180 Rushing Yards – ihre drei höchsten Saisonwerte nach den 198 Yards gegen Arizona am 10. Spieltag.
"Diese Entwicklung der Jungs im Laufe der Saison, Offensive Line, Running Backs, alles", freute sich Offensive Coordinator Klint Kubiak, "das ist es, wonach wir suchen: konstante Verbesserung im Verlauf des Jahres."
5. Welches Team spielt in kritischen Momenten den besseren Football?
Die Seahawks und 49ers rahmten die Regular Season mit zwei punktarmen direkten Duellen ein: San Francisco gewann beim Saisonauftakt 17:13 und Seattle setzte sich am finalen Spieltag der Regular Season mit 13:3 durch. Das garantiert zwar kein ähnliches Drehbuch am Samstag, unterstreicht aber, dass – sollte das Spiel ähnlich eng verlaufen – jeder Ballbesitz und jede Chance auf Punkte entscheidend sein wird.
Über beide Duelle hinweg können beide Teams auf zahlreiche Gelegenheiten verweisen, bei denen sie Punkte liegen gelassen haben: von Seattles Ballverlust in der Red Zone bei einem möglichen Drive zum Sieg am 1. Spieltag über San Franciscos Ballverlust in der Red Zone am 18. Spieltag bis hin zu mehreren verschossenen Field Goals der Seahawks und einer erfolglosen Red-Zone-Serie, die in Week 18 mit einem Ballbesitzwechsel zu den 49ers endete.

Auch Third- und Fourth-Down Conversions werden entscheidend sein. Bei ihrem Sieg in Week 1 verwandelten die 49ers bei Third Down sieben von 14 und bei Fourth Down zwei von zwei Versuchen, während die Seahawks nur drei von zehn Third Downs erfolgreich gestalteten. Am 18. Spieltag konvertierten die Seahawks sechs von 13 Third Downs und ließen ihren einzigen Fourth-Down-Versuch liegen, während die 49ers lediglich zwei von neun Third Downs und null von zwei Fourth Downs verwandelten.
"Ich denke, die Spiele gegen die 49ers sind diese Dinge noch stärker hervorgehoben", sagte Macdonald. "Situativer Football; also wie man auf den Ball aufpasst, wie man in der Red Zone abschließt, wie man Third Downs gestaltet, wie man in den Schlussminuten der Halbzeiten performt, ist enorm wichtig. Das ist eine Floskel-Antwort, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass die Teams, die diese Situationen kontrolliert haben, am Ende auch das Spiel gewonnen haben."











