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Dieses NFL-Stadion ist der beste Heimvorteil der Welt

Die Seahawks tragen ihre Heimspiele im Lumen Field in Seattle aus – und profitieren dabei nicht nur von rund 70.000 unglaublich lauten Fans.

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Diese Geheimwaffe könnte die Seattle Seahawks bis in den Super Bowl bringen – und obwohl sie gar nicht so geheim ist, fällt es vielen Gegnern schwer, sich darauf einzustellen. Das Lumen Field in Seattle ist nicht nur eine der legendärsten Sportstätten der NFL, sondern auch ein wahrer Heimvorteil.

Warum das Stadion der Seahawks in den anstehenden Playoffs ein echter Game Changer sein kann, liest du hier.

Clever gebaut: Stadion verstärkt Fan-Lautstärke

Stell dir vor, du bist Quarterback in der NFL, spielst gerade in Seattle gegen die Seahawks und willst deinen Mitspielern den nächsten Spielzug ansagen. Das Problem: Egal wie laut du schreist, sie verstehen einfach nicht, was du sagst. Willkommen im Lumen Field, an dem Ort, der mit seiner Lautstärke schon viele Auswärtsteams zur Verzweiflung getrieben hat.

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Das alles ist kein Zufall. Das von 2000 bis 2002 im südlichen Zentrum der Stadt erbaute Stadion (zunächst Seahawks Stadium, dann Qwest Field und CenturyLink Field, seit November 2020 Lumen Field) hat sich den Ruf als eine der lautesten Arenen der NFL erarbeitet – dank der besten Fans der NFL und mit einer architektonischen Meisterleistung. Die Tribünen und das teilweise überdachte Stadion mit seinen zwei ikonischen Stahlträgern fangen außergewöhnlich viel Lärm ein, verstärken ihn und reflektieren ihn zurück aufs Spielfeld, wo Seahawks-Gegner ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen.

Diese Fans haben eine Regeländerung provoziert

Aber all die ausgefeilte Konstruktion hätte keinen Sinn, wenn es nicht die Menschen gäbe, die die Lautstärke überhaupt erst erzeugen. Die rund 70.000 Seahawks-Fans machen jedes Heimspiel zur ohrenbetäubenden Party – und haben dafür nicht nur einen eigenen Spitznamen bekommen, sondern sich auch noch mit der Liga höchstpersönlich angelegt.

1984 entschieden die Seahawks, die Trikotnummer 12 zu Ehren ihrer Fans nicht mehr zu vergeben. Die 12s haben sich buchstäblich einen Namen gemacht, weil sie quasi einen 12-gegen-11-Vorteil geschaffen und bereits im alten Stadion in Seattle, dem Kingdome, die Akustik so krass verstärkt hatten, dass die NFL 1989 kurzzeitig eine Regel erließ, die Heimteams für störende Lautstärke des Publikums bestraft, wenn Gastmannschaften im Angriff sind.

Schlechte Nachricht für Gastteams: Weil der Protest der Fans nicht lange auf sich warten ließ und die Regel die Menschen im Stadion sogar zu noch mehr Lärm anstachelte, zog die Liga sie bald wieder aus dem Verkehr.

Mit Rekord-Lärm zum Heimsieg

Und so hat sich die Lautstärke der 12s in den vergangenen Jahrzehnten zu einem echten Heimvorteil entwickelt. 2005 bekamen die New York Giants das in besonderem Ausmaß zu hören. Dass sie bis Spielende unfassbare elf (!) Strafen wegen Fehlstarts kassierten, veranlasste Seahawks-Cheftrainer Mike Holmgren dazu, in seiner Siegesrede in der Kabine den Fans ein Sonderlob auszusprechen.

Seit 2005 erfassen die Seahawks die Anzahl der Fehlstarts der Gastmannschaften und zeigen die Statistik auf der Stadionleinwand an, um die Fans zusätzlich zu motivieren. Gegner begannen, in der Woche vor einem Auswärtsspiel in Seattle ihre Trainingsplätze mit extremem Lärm zu beschallen, um die Spieler auf die brutale Lautstärke einzustellen. Geholfen hat's wenig: Die 121 gegnerischen Fehlstarts von 2005 bis 2012 waren ligaweiter Bestwert. Seit der Fertigstellung des Stadions zum Saisonstart 2002 liegen die Seahawks mit 128 Heimsiegen in den Top Fünf der NFL.

Am 15. September 2013 brachen die Fans der Seahawks erfolgreich den Guinness-Weltrekord für das lauteste Stadion der Welt. Der Rekord von 131,9 Dezibel wurde im ersten Viertel während des Sacks gegen den Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, aufgestellt. Die Fans brachen ihren eigenen Rekord dann im dritten Viertel desselben Spiels, als sie bei einer gelungenen Abwehraktion den Wert von 136,6 Dezibel erreichten.

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Der Rekord wurde am 13. Oktober 2013 von den Fans der Kansas City Chiefs im Arrowhead Stadium mit einem Pegel von 137,57 Dezibel gebrochen, doch bereits wenige Wochen später eroberten die 12s den Bestwert mit 137,6 Dezibel im Spiel gegen die New Orleans Saints zurück. Den heutigen Rekord halten mit 142,2 Dezibel zwar die Chiefs-Fans seit dem 29. September 2014, aber ein Erdbeben haben selbst sie noch nicht mit ihren Jubelschreien erzeugt.

Erdbeben-Test doppelt bestanden

Diese Geschichte beginnt Anfang des Jahrtausends. Weil Seattle in einer Erdbeben-gefährdeten Region liegt und der Boden am Standort in unmittelbarer Nähe zum Meer weich ist, wurden beim Bau des neuen Stadions mehrere Schutzmaßnahmen getroffen, um es vor einer Naturkatastrophe zu schützen. Über 2.200 Pfähle wurden 15 bis 21 Meter tief in den Boden gerammt, um das Pfeilerfundament fürs Stadion zu bilden – und Bodenverhältnisse, Temperatureinflüsse und mögliche Erdbeben zu berücksichtigen.

Um Schäden im Falle eines Erdbebens zu minimieren, wurde eine Technologie verbaut, die vorher noch bei einem großflächigen Dach eingesetzt wurde: Die Konstruktion verfügt über ein Pendel-Dämpfer-System. Dadurch wird das Dach von seinen Stützpfeilern getrennt und kann sich bei seismischer Aktivität unabhängig bewegen.

Während der Bauarbeiten wurde die Region Seattle 2001 von einem Erdbeben der Stärke 6,8 heimgesucht. Die Konstruktion reagierte wie von den Konstrukteuren erwartet, und es gab nur minimale Schäden. Test bestanden! Aber der größere Test sollte erst rund zehn Jahre später folgen.

Ein Beast lässt die Erde wackeln

Es war der 8. Januar 2011. Die Seahawks empfingen in der ersten Runde der Playoffs die New Orleans Saints. Als Running Back Marshawn "Beast Mode" Lynch im vierten Viertel zahlreiche Gegenspieler abschüttelte und über 67 Yards zum Touchdown in die Endzone rannte, eskalierten die Fans im Stadion so sehr, dass die Erde zu beben begann.

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Wissenschaftler der University of Washington hatten ums Stadion herum Seismographen installiert, um Schwingungen der Erde zu messen. Bei Lynchs Beastquake (Kombination aus Beast und dem englischen Wort für Erdbeben: earthquake) getauften Lauf registrierten sie Ausschläge. Und auch einige Jahre später, als die Seahawks in den Playoffs der Saison 2014 die Carolina Panthers und die Green Bay Packers ausschalteten, wurden Erschütterungen festgestellt. Getoppt wurden diese nur, als im Juli 2023 Taylor Swift mit ihrer Eras Tour nach Seattle kam und beim Tanzen Schwingungen auslösten, die einem Erdbeben der Stärke 2,3 glichen.

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