Der Super Bowl LX steht kurz bevor: Die Seahawks und die Patriots treffen im Levi's Stadium aufeinander – ein Duell zweier Teams, die beide mit einer 14-3-Bilanz durch die Regular Season gegangen sind.
Nach einem Freilos in der ersten Playoff-Runde schalteten die Seahawks auf dem Weg in den Super Bowl zwei NFC-West-Gegner aus, besiegten die 49ers in der Divisional Round und die Rams im NFC Championship Game. Die Patriots wiederum schlugen die Chargers und Texans zu Hause, bevor sie ein punktearmes AFC Championship Game in Denver für sich entschieden.
Hier sind fünf Dinge, auf die du achten solltest, wenn die Seahawks ihren ersten Super Bowl seit elf Jahren bestreiten:
1. Können Sam Darnold und die Offense erneut ein Spiel ohne Ballverluste gegen eine starke Patriots-Defense spielen?
Es gibt viele Gründe, warum die Seahawks auf dem Weg zum Super Bowl neun Spiele in Folge gewonnen haben – von der herausragenden Defense über Big Plays in den Special Teams bis hin zu einem verbesserten Laufspiel. Einer der größten Faktoren war jedoch die Leistung von Quarterback Sam Darnold in der entscheidenden Phase der Saison, insbesondere wie er und die gesamte Offense den Ball geschützt haben.
Als die Seahawks am 11. Spieltag gegen die Rams verloren – ein Spiel, in dem Darnold vier Interceptions warf –, hatten sie in den ersten zehn Saisonspielen nur ein einziges ballverlustfreies Spiel absolviert, und Darnold stand bei zehn Interceptions. Seitdem haben die Seahawks und ihr Quarterback deutlich besser auf den Ball aufgepasst: Während der aktuellen Neun-Spiele-Siegesserie spielten sie fünf Partien ohne Ballverlust, darunter den Week-18-Sieg gegen die 49ers sowie beide Playoff-Erfolge. In sechs dieser neun Spiele blieb Darnold ohne Interception, einschließlich der letzten drei Partien.
Das gegen eine talentierte Patriots-Defense fortzusetzen, wird nicht einfach – New England verbuchte in drei Postseason-Siegen acht Takeaways, davon sieben in den letzten beiden Spielen. Sollten Darnold und Co. den Ball jedoch weiterhin schützen, werden die Seahawks nur schwer zu schlagen sein.
Für Darnold liegt der Schlüssel zur verbesserten Ballsicherheit darin, das zu nehmen, was die Defense ihm anbietet, und zu wissen, dass er mit einer Elite-Defense und starken Special Teams im Rücken nichts erzwingen muss.

"Das Wichtigste für mich als Quarterback ist, die Situationen zu verstehen", sagte Darnold. "Wenn sich daraus im ersten Moment nichts ergibt, ist der Vorteil einer großartigen Defense, dass ich gerade in der zweiten Saisonhälfte nie das Gefühl hatte, etwas erzwingen zu müssen. Das ist ein großer Schlüssel für mich als Quarterback, fast wie eine Art Sicherheitsnetz. Ich kann selbstbewusst zum nächsten Spielzug übergehen und unsere Special Teams und unsere Defense arbeiten lassen, in dem Wissen, dass wir den Ball um jeden Preis schützen müssen."
2. Macht der Pass Rush der Seahawks Patriots-Quarterback Drake Maye das Leben schwer?
Die erste Verteidigungslinie der Seahawks war die gesamte Saison über eine der großen Stärken des Teams – sowohl gegen den Lauf als auch durch den Druck, den Defensive Linemen und Outside Linebacker auf den Quarterback ausüben können.
Die Seahawks haben keinen einzelnen dominanten Pass Rusher mit zweistelliger Sack-Statistik, dafür aber eine tiefe, selbstlose Gruppe, angeführt von vier Spielern mit jeweils mindestens sechs Sacks: Byron Murphy II, Leonard Williams und Uchenna Nwosu mit jeweils sieben sowie DeMarcus Lawrence mit sechs.
Laut NFL Next Gen Stats hatten die Seahawks in dieser Saison die vierthöchste Druck-Rate (Pressure) der Liga (38,9 Prozent), obwohl sie mit der achtÂniedrigsten Blitz-Quote (also spontanen zusätzlichen Quarterback-Jägern) spielten. Zudem verzeichneten sechs verschiedene Spieler mindestens 35 Pressures: Lawrence, Murphy, Williams, Nwosu, Boye Mafe und Derick Hall.

Die Patriots haben in der Offensive angeführt vom Pro-Bowl-Quarterback Drake Maye vieles richtig gemacht, sind aber anfällig gegen starken Pass Rush. Maye wurde in der Regular Season 47-mal gesackt und weitere 15-mal in drei Playoff-Siegen – ein Faktor dafür, dass er in diesen Spielen sechs Fumbles hatte. Maye kann spektakuläre Plays machen, doch es wird ein harter Tag für ihn, wenn er den Ball nicht schneller los wird, als Seattles Pass Rush bei ihm ankommt.
3. Können die Seahawks Maye davon abhalten, Big Plays mit Arm und Beinen zu produzieren?
Wie bereits beschrieben, sollten die Seahawks Chancen haben, mit ihrem Pass Rush zu Maye durchzukommen. Der Preis dafür, dass Maye den Ball manchmal länger hält, ist allerdings, dass er sowohl mit seinem Arm als auch mit seinen Beinen Big Plays kreieren kann.
Maye, der bei der MVP-Abstimmung Zweiter wurde – direkt hinter Rams-Quarterback Matthew Stafford –, führte die NFL bei Yards pro Passversuch (8,9), Passquote (72,0) und Passer Rating (113,5) an. Allein in dieser K.-o.-Runde warf er drei Touchdown-Pässe über 28 Yards oder mehr. Zudem ist er als Läufer gefährlich: 450 Rushing Yards und vier Touchdowns in der Regular Season sowie weitere 141 Yards und ein Touchdown in den Playoffs.
4. Wer setzt sich im Topduell zwischen Receiver Jaxon Smith-Njigba und Cornerback Christian Gonzalez durch?
Beim letzten Aufeinandertreffen der Seahawks und Patriots – einem Seattle-Sieg früh in der Saison 2024 – deckte Cornerback Christian Gonzalez überwiegend DK Metcalf. Dieses Mal ist Seattles klare Nummer-eins-Anspielstation jedoch Jaxon Smith-Njigba, der nach einer Regular Season mit ligaweit führenden 1.793 Receiving Yards zum AP Offensive Player of the Year gekürt wurde. Entsprechend wird er am Sonntag sehr häufig direkt gegenüber von Gonzalez stehen.
Gonzalez, im vergangenen Jahr Second-Team All-Pro und in dieser Saison Pro-Bowl-Auswahl, zählt zu den besten jungen Passverteidigern der Liga. Er und Smith-Njigba kennen sich – oder wissen zumindest voneinander – noch aus ihrer Zeit als Highschool-Stars im Raum Dallas.

Gonzalez' Postseason-Statistik umfasst eine Interception, vier verteidigte Pässe, 15 Tackles und einen forcierten Fumble. Smith-Njigba hatte derweil allein im NFC Championship Game zehn Catches für 153 Yards und erzielte in beiden Playoff-Siegen der Seahawks jeweils einen Touchdown. Kurz gesagt: Hier treffen zwei der Besten ihres Fachs aufeinander – ein Matchup, das für einige spannende Duelle sorgen dürfte.
5. Kann eines der beiden Teams den Ball effektiv laufen?
Ein entscheidender Faktor für den späten Saisonerfolg der Seahawks war ein wieder erstarktes Laufspiel, das in den vier Spielen vor dem NFC Championship jeweils mehr als 160 Rushing Yards produzierte. Im Sieg gegen die Rams kamen die Seahawks zwar nur auf 75 Rushing Yards, doch Kenneth Walker III war dennoch ein wichtiger Faktor: mit einigen Big Runs früh im Spiel und entscheidenden Läufen im vierten Viertel, um den Sieg abzusichern.
Die Patriots belegten in der Regular Season sowohl bei Rushing Yards als auch bei der Anzahl der Läufe Rang sechs in der Liga und erliefen in drei Playoff-Spielen insgesamt 392 Yards.

Es ist also klar, dass beide Teams am Sonntag laufen wollen – und beide haben in dieser Saison gezeigt, dass sie dazu in der Lage sind. Doch angesichts der starken Laufverteidigungen beider Mannschaften wird es für keine Offense leicht, ein konstantes Laufspiel zu etablieren.
Die Seahawks ließen ligaweit die wenigsten Yards pro Lauf zu (3,7) und haben seit Anfang der vergangenen Saison keinen 100-Yard-Rusher mehr zugelassen. Die Patriots wiederum erlaubten die sechstwenigsten Rushing Yards der Liga und hielten alle drei Playoff-Gegner unter 90 Rushing Yards.
Beide Quarterbacks sind mehr als fähig, mit ihrem Passspiel große Zahlen aufzulegen. Sollte es jedoch einem der beiden Teams gelingen, ein Laufspiel zu etablieren, das das Passspiel perfekt ergänzt, könnte genau das den Unterschied ausmachen.











