Dass die Seattle Seahawks eines Tages den Weg zurück in den Super Bowl finden würden, war die Vision bei der Verpflichtung von Head Coach Mike Macdonald. Dass es aber nur zwei Jahre dauern würde, bis das Team dieses Ziel erreicht, haben wohl die wenigsten vorhergesehen.
Dabei ist Macdonald der lebende Beweis dafür, dass ein Plan nicht nur gut aussehen, sondern auch funktionieren kann. So hat der Coach die Seahawks zum Topteam gemacht.
1. Mit seiner Message identifizieren sich alle
Wer die Seahawks schon länger verfolgt, kennt die Message vom legendären Cheftrainer Pete Carroll, der seinen Spielern mit dem "Always Compete"-Mantra das unermüdliche Streben nach Maximierung des eigenen Potenzials einbläute.
Jody Allen, die Vorsitzende der Seattle Seahawks, gab General Manager John Schneider nach der Saison 2023 einen Wunsch mit auf die Trainersuche: Der neue Coach soll die von Carroll etablierte positive Kultur in Seattle weiterführen.

In Mike Macdonald hat Schneider dafür genau den richtigen Mann gefunden. Der neue Cheftrainer hat die Grundprinzipien seines Vorgängers neu erfunden. Er hat damit erreicht, dass alle im Team – vom Wasserträger bis zum Superstar – alles füreinander geben und ihren eigenen Erfolg dem gemeinsamen Ziel unterordnen.
Das Ergebnis sind wunderbare Zitate wie das von Rekord-Receiver Jaxon Smith-Njigba, der zweifelsohne zu den Shootingstars der Seahawks-Saison 2025 zählt:
"Ich spiele am besten, wenn ich für andere spiele."
Die wichtigsten Macdonald-Mottos, die du kennen solltest:
- "12 as One": Das Lieblingsmotto des Trainers symbolisiert einen geschlossenen Spielstil, während es gleichzeitig eine Hommage an die Fangemeinde des Teams darstellt, die als 12s bekannt ist.
- "Just another game": Ob Regular Season, Playoffs oder Super Bowl – am Ende ist jedes Spiel einfach nur ein Spiel. Damit will der Coach sagen, dass man sich nicht von den Rahmenbedingungen einer Partie beeinflussen lassen darf. Auch in den K.-o.-Duellen wird einfach nur Football gespielt. Wer sich dessen bewusst ist, blendet Ablenkung bewusst aus und macht Momente nicht größer, als sie sind.
- "Chasing Edges": Mit dem Ausloten von Grenzen meint Macdonald, ständig nach legalen Wettbewerbsvorteilen zu suchen. Es ist seine Version von Pete Carrolls "Always Compete", die beispielsweise die Seahawks Special Teams zur innovativsten und dominantesten Positionsgruppe der Liga gemacht hat.
- "M.O.B – Mission over bullsh*t": Dem gemeinsamen Ziel, der Mission, wird alles andere untergeordnet.
- "We do not care": "We did not care", rief Mike Macdonald nach dem Sieg über die Rams im NFC Championship Game ins Mikrofon, als er auf die gebrochene Vorherrschaft der Rams und 49ers in der Division angesprochen wurde. Was er damit sagen wollte: Wir schauen nur auf uns selbst.
- "The Dark Side": Kein Motto, aber das Resultat davon. Bei all seinen Botschaften ist es Coach Macdonald wichtig, dass seine Spieler sich nicht verstellen und ihre Identität ausleben. Für die Seahawks-Defense, die ständig mit der goldenen Generation der Legion of Boom verglichen wurde, bedeutete das, mit einem neuen Spitznamen ihre eigene Geschichte zu schreiben.
2. Macdonald ist der Nerd unter den Defense-Spezialisten
In der Saison 2023, als die Seahawks in Baltimore antraten und eine böse Klatsche kassierten, klickte etwas bei John Schneider. Der GM hörte seine Spieler von einer nahezu unüberwindbaren Ravens-Defense erzählen. Mickrige drei Punkte und 151 Yards brachte Seattles Offense an diesem Tag aufs Feld.

An die 3:37-Niederlage und die Erfahrungsberichte seiner beeindruckten Spieler erinnerte Schneider sich zurück, als er nach der Spielzeit einen neuen Trainer suchte – und ihn in Mike Macdonald fand, der als Defensive Coordinator der Ravens die Seahawks komplett ausgeschaltet hatte.
Zwei Jahre später muss man festhalten: Schneider hatte den richtigen Riecher. Was Macdonald in Baltimore bewiesen hatte, setzte er in Seattle nahtlos fort. Die Startschwierigkeiten in der Saison 2024 waren ganz normal, aber 2025 hatte der Trainer alle Puzzleteile zusammen, um die beste Defense der NFL aufzustellen.
Die Seahawks haben die beste Laufverteidigung der Liga. Sie haben gleich mehrere Quarterback-Jäger, die in hoher Frequenz Druck auf ihre Gegner ausüben. Und sie haben eine Passverteidigung mit giftigen Youngstern wie Nick Emmanwori und Devon Witherspoon, die es in jeder Formation mit jedem Receiver dieser Welt aufnehmen können.

Basierte die Legion of Boom auf einem vergleichsweise simplen System, das dank seiner Hall-of-Fame-würdigen Passverteidiger Richard Sherman, Earl Thomas III und Kam Chancellor hervorragend funktionierte, ist die Dark Side umgekehrt aufgebaut. Auch die heutige Seahawks-Defense hat Elite-Talente in ihren Reihen, doch sie stellt gegnerische Offensiven besonders mit ihren vielseitigen Formationen immer wieder vor neue Herausforderungen.
Bei all der Motivation, mit der Mike Macdonald seine Spieler begeistert: Mit seiner taktischen Genialität holt er sie komplett ab. Jeder Spieler hat das Gefühl, sein Trainer hat einen klaren Plan für ihn parat. Das wirkt.
3. Der Coach lebt eine offene Fehlerkultur vor
Mike Macdonald ist nicht fehlerfrei.
Richtig gelesen. Seattles Coach ist völlig zurecht einer der heißesten Kandidaten für die Auszeichnung als NFL-Trainer des Jahres; verliehen wird diese Auszeichnung bei den NFL Honors in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar. Aber auch er ist nicht makellos.
Während er sich als einer der intelligentesten Defensivtrainer der Liga bereits vor seinem Wechsel in den Nordwesten der USA einen Namen gemacht hatte, musste er einen anderen Aspekt der für ihn neuen Cheftrainer-Rolle bei den Seahawks erst lernen: Führungsqualität.
Als Sohn eines Absolventen der US-Militärakademie war Disziplin nie ein Fremdwort für Mike Macdonald. Er kann seine Regeln durchsetzen, wenn es nötig ist. Doch er ist auch der Erste, der seine eigenen Fehler zugibt. Das ist Führungsqualität. Diese ehrliche, authentische Art bleibt bei den Spielern hängen.
"Coach Macdonald hat mit seiner Führungsstärke viel Respekt vom Team gewonnen", sagte D-Liner Leonard Williams. "Man sieht, dass die Leute ihn respektieren und auf ihn hören. Ich denke, das liegt auch daran, dass er auf seine eigenen Fehler hinweist, wodurch sich die Spieler wohlfühlen, wenn auch auf ihre Fehler hingewiesen wird."
Die Vorbildfunktion des Trainers stärkt den Zusammenhalt beim Team, weil jeder weiß, dass der Maßstab für alle derselbe ist. Besonders zwei junge Spieler bewiesen im NFC-Finale gegen die Rams, dass sie diese offene Fehlerkultur auch in Extremsituationen leben.
Als Tariq Woolen nach einer eigentlich starken Verteidigungsaktion eine Strafe für provokantes Jubeln kassierte und sich damit leichtsinnig um den eigenen Erfolg brachte, war es Rookie Nick Emmanwori, der an der Sideline die Konfrontation mit Woolen suchte. Als die Szene nach dem Spiel anhand der Fernsehbilder vereinzelt als schlimme Auseinandersetzung dargestellt wurde, meldeten sich beide Spieler zu Wort. "Wir sind Brüder und wir alle streben nach Exzellenz, wir haben dieselbe Mission", sagte Woolen und Emmanwori ergänzte: "Unser Zusammenhalt ist eine echte Verbindung, die andere Teams nicht haben."











