Die Seahawks reisen diese Woche nach Denver, wo am Donnerstagabend zwei ehemalige Rivalen aus der AFC West aufeinandertreffen. Beide Teams sind solide in die Saison gestartet, auch wenn sie ihren eigenen Erwartungen bislang nicht ganz gerecht werden. Beide kommen aus Saisons mit einer Bilanz von 14-3: Die Seahawks gewannen den Super Bowl LX, während die Broncos im AFC Championship Game ausschieden, nachdem Starting Quarterback Bo Nix die Divisional Round mit einer Knöchelverletzung beendete. Die identischen Bilanzen von 3-2 sind für Seattle und Denver zwar alles andere als enttäuschend, doch beide Teams gehen mit dem Gefühl in diese Partie, ihr Potenzial 2026 noch nicht ausgeschöpft zu haben.
"Sie sind ein toughes Team", sagte Seahawks-Head-Coach Mike Macdonald über die Broncos. "Sie haben wirklich viel Talent. In der Defense stimmen sie ihr Personal gut auf ihr Scheme ab. Sie spielen aggressiv. Sie machen dem Quarterback das Leben schwer, gehen gut auf den Ball und verhindern, dass der Gegner ihn bekommt. In der Offense setzen sie auf ein bewährtes Scheme, das (Head Coach) Sean (Payton) über die Jahre etabliert hat. Ich weiß, dass er das Playcalling gerade wieder selbst übernommen hat, aber der Quarterback spielt auf einem sehr hohen Niveau. Er verlängert Plays. Sie spielen komplementären Football. Sie sind ein gutes Team."
Hier sind fünf Dinge, auf die es zu achten gilt, wenn die Broncos die Seahawks in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (2:15 Uhr deutscher Zeit, live auf Deutsch bei RTL und Sky Sport) im Empower Field at Mile High empfangen:
1. Können die Seahawks ihre Ballverluste in den Griff bekommen?
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an, oder?
Wenn die Seahawks den Ball gut sichern, sind sie in den vergangenen beiden Saisons nahezu unschlagbar. Unter Mike Macdonald haben sie eine Bilanz von 15-0, wenn sie die Turnover-Bilanz für sich entscheiden. Das Problem: In letzter Zeit ist Seattle nicht besonders gut darin gewesen, den Ball zu schützen. Das war der entscheidende Faktor bei den beiden Niederlagen in dieser Saison.
Bei den Niederlagen gegen die Commanders und die 49ers leisteten sich die Seahawks insgesamt sieben Ballverluste. Beide Gegner erzielten dadurch jeweils 21 Punkte, darunter in beiden Spielen einen Defensive Touchdown. Seattle verlor diese Partien mit insgesamt nur fünf Punkten Unterschied. Betrachtet man das gesamte vergangene Kalenderjahr – auch das Team der Vorsaison war mit einer Bilanz von 3-2 gestartet –, stehen die Seahawks inklusive Playoffs in ihren letzten 20 Spielen bei 17-3. Bei diesen drei Niederlagen – den beiden in dieser Saison und einer Niederlage gegen die Rams in Week 11 2025 – unterliefen Seattle insgesamt elf Turnover, aus denen die Gegner 56 Punkte machten. Die drei Spiele gingen mit insgesamt nur sieben Punkten Unterschied verloren.
"Bei uns herrscht ein Gefühl der Dringlichkeit", sagte Quarterback Sam Darnold. "Der Begriff, diese Formulierung 'Sense of Urgency', ist in den vergangenen Tagen oft gefallen, und das stimmt auch. Wir müssen dringend besser werden und den Ball sichern. Ich werde weiterhin versuchen, so entschlossen wie möglich zu spielen, meine Reads durchzugehen und dem zu vertrauen, was ich sehe, meinen Füßen zu vertrauen. Wir dürfen uns keine Ballverluste leisten. In dieser Liga muss man den Ball schützen. Wenn man das nicht tut, wird man dafür bezahlen."
Positiv ist, dass die Seahawks den Gegnern den Ball auch sehr häufig abnehmen. Mit elf erzwungenen Ballgewinnen in fünf Spielen führen sie die NFL in dieser Kategorie an. Zwei davon gelangen den Special Teams.
2. Kann eine der beiden Offenses ihre Third-Down-Quote verbessern?
Die Seahawks haben in jedem ihrer beiden vergangenen Spiele bei Third Down nur drei von zwölf Versuchen verwandelt. Dadurch ist ihre Conversion Rate bei diesem entscheidenden Down im Saisonverlauf auf 29,8 Prozent gesunken – der zweitschlechteste Wert der NFL. Viel besser stehen die Broncos nicht da: Sie kommen auf eine Quote von 33,8 Prozent, was ligaweit Rang 27 bedeutet. In der vergangenen Woche verwandelten sie lediglich einen von zwölf Third Downs.
Wie so oft liegt der Grund für die Probleme bei Third Down nicht nur in der mangelhaften Ausführung der entsprechenden Plays. Entscheidend ist auch, was bei First und Second Down passiert und welche Distanz dadurch bei den anschließenden Third Downs zurückgelegt werden muss.
"Es ist eine Kombination aus beidem", sagte Offensive Coordinator Brian Fleury. "Natürlich können wir uns selbst helfen, indem wir häufiger in Situationen kommen, die besser zu bewältigen sind. Wir können einige negative Dinge vermeiden, etwa Strafen, oder die Sacks, die wir in ungünstigen Situationen zugelassen haben. Das würde uns deutlich helfen, wenn wir bei Third Down häufiger vor überschaubaren Distanzen stünden. Und wenn wir doch in schwierigen Situationen sind, müssen wir auf jeder Ebene einfach besser ausführen."
Obwohl die Broncos insgesamt eine sehr starke Defense haben, tun sie sich bei Third Down in dieser Saison tatsächlich schwer. Die Gegner verwandeln 45,2 Prozent ihrer Versuche – der 26. Platz in der NFL. Die Defense der Seahawks war bei Third Down dagegen bislang stark: Seattle liegt ligaweit auf Rang drei, die Gegner kommen nur bei 29,4 Prozent ihrer Versuche zum Erfolg.
3. Können Sam Darnold, JSN und Seattles Passspiel die angeschlagene Secondary der Broncos ausnutzen?
In den ersten fünf Spielen war das Laufspiel der Seahawks wechselhaft. Bei den Siegen gegen die Cardinals und Chargers lieferte es solide Zahlen, in den anderen Partien tat es sich schwer. Verletzungen auf der Running-Back-Position haben nicht geholfen, ebenso wenig die Fumbles mehrerer Running Backs. So oder so wissen die Seahawks, dass sie aus ihrem Laufspiel mehr herausholen müssen, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Da Denver in der Laufverteidigung mit durchschnittlich 145,2 zugelassenen Yards pro Spiel auf Rang 29 liegt, könnten sich Seattle hier Möglichkeiten bieten.
Allerdings könnte das Spiel am Donnerstagabend aufgrund einiger Verletzungen in Denvers Secondary und angesichts der Qualität von Seattles Passing Offense eher eine Partie werden, in der die Seahawks verstärkt auf ihr produktives Passspiel setzen, als eine, in der sie ihr Laufspiel wieder in Schwung bringen.
In der vergangenen Saison war es für gegnerische Teams eine schwierige Aufgabe, den Ball gegen die starke Defense und Secondary der Broncos zu werfen. Angeführt von All-Pro-Cornerback Patrick Surtain II belegte Denver 2025 Rang zwei bei der zugelassenen Completion Percentage der Gegner, Rang sieben bei den zugelassenen Passing Yards, Rang fünf bei den zugelassenen Passing Touchdowns und Rang sechs beim Passer Rating der Gegner.
Die Broncos verfügen erneut über eine der besten Defenses der Liga, weshalb Seattles Offense am Donnerstag gefordert sein wird. Aufgrund einiger Verletzungen in Denvers Secondary könnte eine gegnerische Passing Offense allerdings mehr Möglichkeiten als gewöhnlich bekommen. Surtain, Defensive Player of the Year 2024 und zweimaliger First-Team All-Pro, fällt wegen einer Knöchelverletzung aus. Diese hatte ihn bereits das Spiel am vergangenen Wochenende gekostet. Denver muss außerdem auf Starting Safety Talanoa Hufanga verzichten, der sich in der Partie am vergangenen Wochenende am Knöchel verletzte. Starting Cornerback Riley Moss ist wegen einer Rippenverletzung fraglich.
Schon in Bestbesetzung ist es für jede Defense eine enorme Herausforderung, Smith-Njigba zu stoppen. Ohne mehrere Starter dürfte die Aufgabe für Denver besonders schwierig werden. In fünf Spielen hat Smith-Njigba mit 583 Receiving Yards und sieben Touchdowns jeweils den ligaweiten Bestwert erzielt – bei 37 Catches. In vier seiner ersten fünf Spiele kam er auf mindestens 100 Yards und einen Touchdown. Vor ihm war ein solcher Saisonstart nur vier Hall of Famern gelungen: Elroy Hirsch, Jerry Rice und Randy Moss.
4. Wie gut setzt Seattles Defense eine ihrer Stärken fort – Tackling im offenen Feld, um Yards nach dem Catch zu begrenzen?
Zu den vielen Dingen, die die Defense der Seahawks zu einer Eliteeinheit machen, gehört eine der grundlegendsten und zugleich wichtigsten Fähigkeiten: das Tackling im offenen Feld. Ja, Mike Macdonalds Scheme ist teuflisch raffiniert. Und ja, die Seahawks haben Spieler in der ersten Verteidigungslinie, die Spiele im Alleingang auf den Kopf stellen können – darunter mit Leonard Williams und Byron Murphy II zwei der besten Interior Linemen der NFL. Dazu kommen Playmaker auf allen drei Ebenen der Defense.
Doch wenn man Macdonald und andere Coaches fragt, worauf der defensive Erfolg letztlich beruht, könnten sie auf Einsatz und Tackling verweisen. Es geht nicht nur darum, dass einzelne Spieler gut tackeln können – was sie zweifellos tun –, sondern auch darum, wie schnell sie zum Ball kommen. Selbst wenn ein Spieler den Tackle nicht setzen kann, sind seine Mitspieler zur Stelle, um die Situation zu bereinigen.
Das ist jede Woche wichtig, gegen die von Bo Nix angeführte Offense der Broncos aber besonders relevant, denn Denver setzt stark auf das kurze Passspiel. Laut NFL Next Gen Stats hat Nix in fünf Spielen nur bei 23,5 Prozent seiner Passversuche den Ball mindestens zehn Air Yards weit geworfen. Das ist der niedrigste Wert der Liga. Auch seine durchschnittliche Passdistanz von 6,0 Air Yards pro Versuch ist ligaweit der niedrigste Wert.
Darüber hinaus hat Nix 22,2 Prozent seiner Pässe auf Anspielstationen hinter der Line of Scrimmage geworfen. Dabei brachte er 31 von 36 Versuchen für 154 Yards an – der sechsthöchste Wert der Liga bei Pässen hinter der Line of Scrimmage. Anders gesagt: Die Broncos werden am Donnerstag vermutlich eine ordentliche Anzahl an Pässen anbringen. Viele davon dürften allerdings kurz sein und erst durch Yards nach dem Catch zum Erfolg führen. Die Seahawks wollen genau das verhindern, indem sie eine ihrer größten Stärken ausspielen: Einsatz und Tackling.
5. Wie gut sieht dieses Trikot-Duell im Fernsehen oder live aus?
Okay, das ist eine Fangfrage. Wir wissen bereits, dass es großartig aussehen wird. Aber wenn wir dem Thema "Worauf es zu achten gilt" in diesem Artikel treu bleiben wollen, müssen wir über ein fantastisches Jersey-Matchup sprechen. Sowohl die Seahawks als auch die Broncos, die früher jedes Jahr in der AFC West gegeneinander antraten, werden Throwback-Trikots tragen. Und in einer besonderen Konstellation spielen beide Teams in ihren ursprünglichen Heimfarben: Seattle in Königsblau und Denver in Orange.
Einfach großartig.











